Berufsorientierung der Klassen 9-10

Die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit des Schülers/ der Schülerin steht im Mittelpunkt der Arbeit der letzten zwei/drei Jahre an der Schule. Zur Vorbereitung auf ein möglichst selbstbestimmtes Leben wird schwerpunktmäßig eine Stabilisation im sozial-emotionalen Bereich angestrebt.

Neben der Einübung von Schlüsselkompetenzen, werden verstärkt Fertigkeiten und Fähigkeiten zur selbstständigen Bewältigung alltäglicher Situationen angebahnt und/ oder gefestigt. Dazu gehören u.a. die folgenden Kernthemen:

  • der Umgang mit Geld
  • Uhrzeiten und Termine einhalten lernen
  • das Suchen nach angemessenen Lösungsstrategien unter Zuhilfenahme der individuellen Möglichkeiten und Kompetenzen in den Bereichen Sprechen, Entscheiden, Bedürfnisse äußern,…
  • Auseinandersetzung mit Themen der nachschulischen Wirklichkeit wie Wohnen außerhalb der Familien, Mobilität, Freizeit
  • Partnerschaft und Sexualität
  • die Entwicklung von Selbstverantwortung und Konfliktlösungsverhalten
  • Ausdauer am eigenen Arbeitsplatz
  • Nutzung von Hilfsmitteln
  • Beschaffung von Informationen
  • Gesellschaftliche Teilhabe (z.B. demokratisches Verständnis, ..)
  • Übertragung von Lerninhalten, die die Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit gelernt haben auf alltägliches Handeln (Hauswirtschaft, Straßenverkehr, Kommunikation mit fremden Menschen, Umgang mit Arbeitsaufträgen uvm.).

Bei der Möglichkeit einer zielgleichen Förderung wird ein Wechsel des Förderortes zur Regelschule oder Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen angestrebt. Der Zeitpunkt der Schulentlassung kann auch vor Erreichen des 18. Lebensjahres möglich sein, wenn es die individuellen Bedingungen erfordern.

Die Berufsfindung während der zwei bis drei Jahre vor der Entlassung hat starken Prozesscharakter, bei dem die Praktika, ihre Vor- und Nachbereitung und die enge Zusammenarbeit mit der Rehaberatung der Agentur für Arbeit und dem Integrationsfachdienst eine große Bedeutung besitzen.

Mit Aufnahme in die Klassen 9-10 sollten alle diejenigen Schülerinnen und Schüler, die mobil genug sind und deren Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumutbar ist, aus dem schulischen Fahrdienst genommen werden (Selbstständigkeit fördern und abverlangen, möglichst hohes Maß an Normalität vergleichbar den Regelschulen).

 

Werktag

An einem Wochentag findet ein klassenübergreifender Werktag für alle SchülerInnen der Klasse 9-10 statt, der ihnen die Möglichkeit bietet, ihre individuellen Kompetenzen auszubauen und zu festigen.

Zentrale Schlüsselkompetenzen wie:

  • Motivation
  • Ausdauer und Belastbarkeit
  • Selbständigkeit
  • Sorgfalt, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • Akzeptanz von betrieblichen Arbeitsformen
  • Kontaktfähigkeit und Teamfähigkeit
  • Kritikfähigkeit
  • Höflichkeit

werden im Rahmen der Werktagangebote geübt und gefördert.

Die Angebote der Werktaggruppen sind derzeit:

#Hauswirtschaft#, #Getränke-Service#, #Mobilität und Freizeit#, #Garten und Floristik#, #Werken#, #Wäsche#, #Fahrradwerkstatt# und #Arbeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen#. Das Gruppenangebot richtet sich dabei nach der jeweiligen Schülerschaft, nach äußeren Bedingungen sowie nach der Anzahl der zur Verfügung stehenden Lehrerstunden. Inhaltlich orientieren sich die Werktagangebote an der nachschulischen Arbeits- und Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler.

Bei der Bildung der Werktaggruppen gilt das Prinzip der demokratischen Mitsprache. Die Schüler und Schülerinnen sollen möglichst aktiv an der Zugehörigkeit zu den jeweiligen Werktaggruppen beteiligt werden, indem sie individuell ihre Wünsche äußern, in einem Planungsgespräch mit einem Lehrer die Vielseitigkeit der Erprobung im Auge behalten und schließlich auf einem Wahlzettel entscheiden.

Schwerstbehinderte, die nicht von den Werktagangeboten profitieren können, werden in einer Gruppe parallel zu den Angeboten des Werktages gefördert.

Die Werktagangebote bestehen jeweils für ein Schulhalbjahr. Im Anschluss an dieses erhalten sie ein entsprechendes Arbeitszeugnis.

 

Übergang Schule Beruf

Die Förderung in der Schule ist nicht auf einen formellen Schulabschluss hin ausgerichtet, sondern zielt auf die Vermittlung von Basisqualifikationen bezüglich späterer beruflicher Perspektiven. Dabei steht insbesondere die Auslotung individueller Möglichkeiten im Hinblick auf nachschulische Anschlusseinrichtungen im Vordergrund (weiterführende Schulen, Berufsbildungswerke, Förderlehrgänge, oder der allgemeine Arbeitsmarkt).

 

Zusammenarbeit mit den Werkstätten, Betrieben und anderen Praktikumsstellen

Die Zusammenarbeit mit den Werkstätten, Betrieben und anderen Praktikumstellen und die Koordination von Praktikums- und Arbeitsagenturterminen werden klassenübergreifend organisiert. Es existiert eine Übereinkunft für organisatorische Absprachen zwecks abgestimmter Zusammenarbeit mit den Werkstätten (jährliche Zusammenkunft mit den WfbMs, Termine für Praktika, Elternberatung u.a.)

 

Praktika

Alle Schüler nehmen ab dem letzten Schuljahr der Sekundarstufe an den jährlich stattfindenden Betriebspraktika teil. Entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse und/ oder Fertig- und Fähigkeiten finden die Praktika in verschiedenen Bereichen der Arbeitswelt statt:

  • in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung
  • im Berufsbildungswerk
  • auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
  • in Integrationsfirmen

Alle Schülerinnen und Schüler machen nach Möglichkeit ein Praktikum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung, wenn es für sie sinnvoll erscheint.

Alle Praktika werden von den Lehrkräften begleitet und ausgewertet. Es werden folgende Praktika angeboten:

  • Schülerpraktikum (dreiwöchiges Praktikum zu einem vorgegebenen Zeitraum; Einbindung in eine klassenübergreifende Vor- und Nachbereitung)
  • Blockpraktikum (mehrwöchiges Praktikum außerhalb der Schülerpraktikumszeit; Ergänzung zum Schülerpraktikum)
  • Förderpraktikum (Schuljahr begleitendes Praktikum an einem Wochentag; Verbindung mit anderen Praktika möglich)
  • Langzeitpraktikum an einzelnen oder auch mehreren Wochentagen mit Bindung an einen möglichen Ausbildungsbetrieb oder an eine Arbeits-stelle.

 

Eltern – Info – Reihe / Elternarbeit

Neben persönlichen Informationen und Beratungen bietet die Klasse 9/10 in einem dreijährigen Rhythmus allen interessierten Eltern von Schülerinnen und Schüler ab Klasse 6 an, sich umfassend über die beruflichen Aussichten und allgemeinen nachschulischen Belange ihrer Kinder zu informieren.

Die Inforeihe enthält folgende Themen:

  • Übergang Schule – Beruf
  • Wohnen
  • Recht und Finanzen

Die Schule bemüht sich um fachkundige Referentinnen und Referenten.

 

Abschlussfeier

Alle Schüler und Schülerinnen, die in einem Schuljahr entlassen werden bzw. in eine andere Einrichtung wechseln, werden mit einer festlichen Feier verabschiedet.

Die Feier findet am Vormittag des vorletzten Mittwoch im Schuljahr vor den Sommerferien in der Sporthalle statt. Sie wird von einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen der Klassen 9/10 vorbereitet.

Etablierte Bestandteile dieser Feier sind, seit einigen Jahren auf Wunsch der Schüler und Schülerinnen, Laudationen, die von Mitschülern für jeden Entlassschüler individuell verfasst und vorgetragen werden.

Des Weiteren besteht das Rahmenprogramm aus kurzen Reden der Schulleitung und der Schülersprecher/in sowie Musik- und anderen kleinen Beiträgen. In diesem feierlichen Rahmen, nach den persönlichen Laudationen, wird den Abgangsschülern ihr Entlass-Zeugnis überreicht.

Etabliert und gewünscht wird seit mehreren Jahren die sogenannte Entlass-zeitung, die von Schülern mit ihren Lehrern erstellt wird.

Eingeladen sind die Angehörigen der Entlass-Schüler, Schüler und Lehrer der Klassen 7/8 sowie ehemalige Lehrer und Therapeuten der Schüler.

Im Anschluss an die Feierlichkeiten gibt es für die Entlass-Schüler, ihre Angehörigen, die Lehrer und Schüler der Klassen 9/10 ein Buffet, das von den Klassen, Eltern und Lehrern zusammen erstellt wird.