Chronik der Albatros Schule

Die Schule für Körperbehinderte Bielefeld wird im
August 1968 eröffnet – nicht zuletzt auf Drängen der Elternschaft.
Im Gebäude der Grundschule Lämershagen werden zunächst in zwei Klassen neun Schülerinnen und Schüler mit Dysmelie (Fehlbildungen nach Einnahme von Contergan) und acht Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen wie Cerebralparesen, Muskeldystrophie u.a. unterrichtet.
Einzugsgebiete der Schule sind Stadt- und Landkreis Bielefeld, Stadt-  und Landkreis Herford und die Kreise Lemgo, Halle und Wiedenbrück.
Der Sonderschullehrer Werner Schmitz wird 1969 Schulleiter der bis dahin einzigen Sonderschule für Körperbehinderte in Ostwestfalen-Lippe.  
Erste Konrektorin wurde Gisela Gresshöhner und blieb dies bis zum Jahre 2011. In dieser langen Zeit prägte und gestaltete sie die Schule und das Schulleben mit großem Einsatz entscheidend mit.


Die Klassen in der Ganztagsschule leiten ein Lehrer und eine Lehrerin mit je einer Kindergärtnerin als Unterstützung. Erziehungsziel ist die größtmögliche Selbstständigkeit jedes einzelnen Schülers und eine weitgehende Unabhängigkeit.
Alle Veranstaltungen wie Feste, Ausflüge, Aufenthalt an der See usw. werden mit sehr viel Unterstützung durch Eltern, Freiwillige oder Institutionen wie z.B. Das Rote Kreuz durchgeführt!
In der Begegnung mit Menschen mit Behinderungen herrscht in dieser Zeit überwiegend Mitleid vor. Kontakte oder gemeinsame Aktionen mit Menschen ohne Behinderungen sind selten.


In den folgenden Schuljahren wird die Schule weiter aufgebaut. Sie ist nun bereits auf fünf Klassen angewachsen und provisorisch in zwei Gebäuden in Lämershagen und Brönninghausen untergebracht.
Der Ruf nach sonderpädagogischem Lehrpersonal und therapeutischen Fachkräften wie Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden wird immer lauter.

Schulträger ist inzwischen der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der in verschiedenen Städten das Sonderschulwesen ausbaut.
Im Mai 1976 kann endlich das neue Gebäude der Schule für Körperbehinderte bezogen werden. Neben Klassen- und Gruppenräumen bieten vor allem Räume für Fachunterricht neue Möglichkeiten. Auch das therapeutische Personal verfügt über ausreichend Platz.

Waren Kinder mit schwerster Behinderung bisher von einer Beschulung ausgeschlossen, so beginnt auch für sie nun die Schulpflicht
bzw. das Recht auf Schule. Es werden zunächst drei Gruppen mit Schülerinnen und Schülern mit schwersten Behinderungen eingerichtet.
Dabei handelt es sich um ein neues Aufgabenfeld im allgemeinen Schulwesen. Auf der Basis individueller Förderung werden Methoden erprobt, Erfahrungen gesammelt und Förderinhalte erarbeitet.
Zum Schuljahr 1987/88 findet zum ersten Mal eine räumliche Durchmischung der Grund- und Hauptschulklassen mit den Klassen für Schülerinnen und Schüler mit schwersten Behinderungen statt. Auch in die Eingangsklasse werden drei schwerstbehinderte Kinder mit den         übrigen acht körperbehinderten Schülern aufgenommen. Damit wird die integrative Erziehung erprobt. In den folgenden Jahren wird die gemeinsame Förderung in durchmischten Klassen weiter ausgebaut.


Die Kontakte nach außen werden immer wichtiger bei der Förderung. Dazu gehören Einkaufstraining, Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, Unterrichtsgänge in die nähere und weitere Umgebung, mehrtägige oder auch mehrere Wochen dauernde Klassenfahrten ins In- und Ausland, Patenschaften und gemeinsame Projekte mit anderen Schulen. Durch häufige Begegnungen im Alltag und verstärkte Teilhabe am öffentlichen Leben wird auch Öffentlichkeitsarbeit geleistet. Es wird Akzeptanz und schließlich Integration von Menschen mit Behinderungen angestrebt.

Kurz vor Beginn des Ruhestandes des Schulleiters W. Schmitz wird 1989 die neue Turnhalle eingeweiht, die zusammen mit der Schule für Schwerhörige genutzt wird.

Neuer Schulleiter wird ab Mai 1990 der Sonderschullehrer Ulrich Mengersen.
In den folgenden Jahren wird die Schulentwicklung in regelmäßigen Fach-, Stufen- und Gesamtkonferenzen intensiv vorangetrieben. Die Schularbeitsgruppe wird eingerichtet. In diversen Arbeitsgruppen und an vielen Schularbeitstagen werden Lehrplanungen erarbeitet, individuelle Förderpläne entwickelt, sonderpädagogische Aspekte diskutiert und Grundlagen für schriftliche Beurteilungen (Zeugnisse) festgelegt.
Wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Kollegiums ist das Verfassen des Schulprogramms und das Erstellen eines Leitbildes.


Der gesamte Aufbau der Schule wird umstrukturiert.
Die Klassen werden verschiedenen Stufen zugeordnet (Grund-, Mittel-, Ober- und Abschlussstufe), damit jahrgangsübergreifend altersgemäße Schwerpunkte im Unterricht behandelt werden können.
Die Unterrichtsinhalte orientieren sich auch an den Lehrplänen der Sonderschule für Lernbehinderte und Sonderschule für Geistigbehinderte. Leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler, die erfolgreich gemäß den Richtlinien für Grund- und Hauptschulen lernen können, werden konsequent auf einen Schulwechsel vorbereitet und dann nach intensiven Gesprächen mit den neuen Schulen umgeschult.

In der Abschlussstufe wird der Werktag eingeführt. In verschiedenen Gruppen (Gartengruppe, Brötchenservice, Getränkegruppe etc.) erproben die Schülerinnen und Schüler den Arbeitsalltag. Dieses intensive Training und außerdem verschiedene Berufspraktika in Betrieben und Werkstätten sind für die Jugendlichen ein wichtiger Baustein und von großer Bedeutung für berufliche Aspekte und die Zeit nach der Schule.
Ein anderer Bereich, der immer wichtiger wird, ist die Unterstützte Kommunikation – UK.

Unter Beteiligung der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und des gesamten Kollegiums erhält die Schule 1993 den Namen Albatros-Schule. Der Albatros:  ein Vogel, der unglaublich gut fliegen und schwimmen kann, der lange mit seinen Eltern zusammenwohnt, bevor er eine eigene Familie gründet, der gerne in großen Gruppen lebt und ein gutes Sozialverhalten hat – ein wunderschöner kräftiger Vogel, dessen Gangbild ein bisschen anders aussieht, aber der damit wunderbar zurechtkommt. Ja, ein Albatros, das ist der richtige Namensgeber für unsere Schule!

Im Rahmen der Neubenennung des Sonderschulwesens ändert sich die offizielle Bezeichnung der Albatros-Schule in “LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Körperliche und motorische Entwicklung“. Die Schülerzahl wächst auf über 230, so dass zwei Erweiterungsbauten und ein Pavillon erforderlich werden.
Mit dem Ziel der Sicherung spezifischer Förderung für Schüler/-innen mit Körperbehinderung auch in den allgemeinen Schulen entwickelte eine Arbeitsgruppe der Albatros-Schule ein Beratungs- und Förderkonzept, das zur Aufnahme in den Schulversuch „Kompetenzzentrum für sonderpädagogische Förderung“ führte und von 2008 bis zur Beendigung 2014 durch Beschluss der neuen Landesregierung    weiterentwickelt und sukzessive umgesetzt wurde.
Zum 1.Oktober 2012 verlässt der Schulleiter Ulrich Mengersen die Albatros-Schule und wechselt als Qualitätsprüfer in die Bezirksregierung. Die Konrektorin Margit Schwarz- Eggeling übernimmt zunächst kommissarisch die Schulleitung. Für kurze Zeit wird die Schule danach von Förderschulrektor Mike Nossmann geleitet. Im Februar 2014 wird Werner Giebel zum neuen Schulleiter ernannt und im Jahr 2016, als Margit Schwarz-Eggeling in den Ruhestand geht, tritt Christine Hammer ihren Dienst als Konrektorin an.